Meine erste Ausschreibung

 

Zu meiner ersten Ausschreibung kam ich über ein Flugblatt, auf dem eine Durlacher Buchhandlung Geschichten von Durlachern suchte, um sie in einer Anthologie heraus zu bringen. Ich zögerte eine ganze Weile, doch kurz vor Abgabetermin setzte ich mich dann doch hin und begann eine witzige, unterhaltsame Geschichte zu schreiben. Meine Familie und mein Freundeskreis waren begeistert. Das sei genau die Geschichte, die in solch ein Buch muss. Bei jeder Lesung würden die Zuhörer in Gelächter ausbrechen, was doch auch eigentlich der Sinn solcher Geschichten sein solle. Also gab ich die Geschichte "Ganz gemütlich" persönlich in der Buchhandlung ab. Kurz darauf kam auch ein Schreiben, in dem verkündet wurde, dass sie zwanzig (in Zahlen 20!) Geschichten hätten, von denen zehn (in Zahlen: 10!) ausgewählt würden. Na wenn das so ist, dachte ich. Kein Problem. Da muss ich ja dabei sein. Meine Geschichte ist so gut, dass sie gar nicht abgelehnt werden kann. Ich war guter Dinge und wartete gerne die paar Monate, bis der entscheidende Brief dann auch endlich kam. Welch Katastrophe.

Die Gewinner stehen fest - 10 von 20!! Sie waren leider nicht dabei...weiter habe ich zuerst nicht gelesen. Das konnte wohl kaum sein - 10 von 20!!!  Meine so wundervoll witzige Geschichte sollte nicht veröffentlicht werden? Das musste wohl ein Irrtum sein, oder hatten wir hier in Durlach nur Genies unter den Autoren? Das musste ich genauer wissen. Mit der Absage kam auch ein Büchergutschein für alle abgelehnten Autoren, als kleines Dankeschön. Na, wenigstens mein erstes Honorar, auch wenn die Geschichte niemandem zu gefallen schien. Eine Einladung zu der Honorierung der angenommenen Autoren war ebenfalls dabei. Das wollte ich mir nun doch nicht entgehen lassen.

Ich war die einzige "abgelehnte" Autorin an diesem Abend. Und ... ich war nicht traurig. Die drei Siegergeschichten wurden vorgelesen. Niemand der Anwesenden hat gelacht, niemand auch nur gelächelt und es hatte nicht den Anschein, dass die Anwesenden sich gut unterhalten fühlten. So war das also. Es war keine Unterhaltung, kein Witz gefragt gewesen....das hätte ich natürlich vorher wissen sollen. Ich hätte gewiss auch eine ernste Geschichte schreiben können. Nein, eher nicht, wahrscheinlich hätte ich dann nicht mit dem Schreiben begonnen.

Daher sehe ich das alles in allem als eine positive Erfahrung für mich. Meine erste Ausschreibung, meine erste Kurzgeschichte, meine erste Absage und doch mein erstes Honorar.

Das Buch hat mir anschließend mein Mann geschenkt. Und beim Lesen wurde ich ebenfalls bestätigt, dass es nicht an der Qualität meiner Geschichte lag, sondern daran, dass sie einfach ganz und gar nicht zum Stil der anderen gepasst hat.

Noch heute sehe ich das Buch in der Auslage liegen und denke: hätten sie ein anderes Themengebiet bevorzugt, wären schon längst keine Exemplare mehr vorhanden. Doch vielleicht starten sie mal wieder eine Ausschreibung für Durlach. Ich werde gewiss wieder mitschreiben - und vermutlich mit meinem Stil wieder voll daneben langen....doch genau das macht mich wohl aus.

 

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