Ganz gemütlich

Claudia Mummert

In dieser Straße angekommen ist gleich zu Beginn ein Parkplatz, an dem ich aber stillschweigend vorbeifahre. „Da war doch einer” sagt Markus. „Ja, aber weiter vorne kommt bestimmt noch einer." Ich will nicht zugeben, dass diese Parklücke für mich und meinen Polo zu klein ist, ich mich beim Einparken noch immer nach meinem sehr geduldigen Fahrlehrer sehne. Ich fahre langsam weiter. Als wir die Pfinztalstraße überqueren, und uns wieder unserem Ziel entfernen höre ich rechts neben mir mit einem Anflug von Ironie: „ war der Markt.” Als ob ich das nicht wüsste. Es ist aber auch wie verhext. Kein Parkplatz hier. Das sind doch alles Brötchen-Tasten-Parkplätze. Da muss doch immer wieder einer wegfahren. Just in dem Moment sehe ich im Rückspiegel gleich zwei Autos aus den Parkbuchten fahren. Ich gebe Gas. Ich muss ja schließlich den ganzen Ring abfahren, um die paar Meter hinter mir einparken zu können. Und schon fahre ich wieder an dem, noch immer freien, kleinen Parkplatz vorbei. Prompt kommt von Markus: "Warum nimmst Du den denn nicht?” Ich antworte leicht gereizt: „Kurz hinter dem Markt waren doch gerade zwei Parkplätze. Du wolltest doch nicht laufen.” Dort angekommen traue ich meinen Augen nicht. Beide Parkplätze sind schon wieder belegt. Das gibt es doch nicht. Und als ob das nicht reicht, singt Herbert Grönemeyer im Radio:„...ich drehe hier seit Stunden, hier so meine Runden, ich finde keinen Parkplatz, ich komm zu spät...”Ich schalte das Radio genervt ab und starte die dritte Runde. Ich werde es dann eben doch mit dem Kleinen versuchen. „Das gibt es doch nicht. So eine Unverschämtheit„ wettere ich meinen Mann an, der mich nur grinsend ansieht. Da steht doch tatsächlich einer drin. Ganz drin. In meinem kleinen Parkplatz. Und, der ist auch noch viel größer wie mein Polo. Eine bodenlose Frechheit ” der ist bestimmt Fahrlehrer. Ich werfe Markus einen fragenden Blick zu. Er zuckt nur mit den Schultern, lächelt weiter und schaltet das Radio wieder ein. Noch immer dieser blöde Song. Markus trommelt den Takt auf dem Armaturenbrett. Meine Laune ist gerade auf dem Nullpunkt, als mein Herz zu klopfen beginnt. Da, ganz vorne, da fährt ein VW-Bus weg und vor mir kein Auto. Ich kann es kaum glauben, aber ich stehe mit nur einmal Korrigieren fast perfekt in der Parklücke. Ich strahle Markus an und drücke ihm einen Kuss auf die Wange. Es ist mittlerweile 10.45 Uhr (zu Fuß hätten wir höchstens 5 Minuten gebraucht, um von uns aus hierher zu kommen).

 


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